Vom Ursprung des Zepters
Neben Krone und Reichsapfel spielt das Zepter in der Geschichte der Herrschaftszeichen wohl die älteste und vielseitigste Rolle. Von den Ur-Stäben in vorgeschichtlicher Zeit, den glatten und langen Hirten- oder Wanderstäben - ähnlich der heutigen Spazierstöcke - gibt es Entwicklungslinien, die sowohl zu den verschiedenartigen Schlag- und Handwaffen wie auch zu Ehrenstäben, Kommandostäben und Marschallstäben, aber auch zu Rang- und Herrschaftszeichen wie kostbaren Königszeptern führen.
Auch die Dirigentenstäbe, ja selbst die Tamburstäbe, sind in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Und noch heute ist man erstaunt über die Formenvielfalt der Häuptlingsstäbe mancher von der Kultur kaum berührter Naturvölker in Afrika, Mittel- und Südamerika, Asien und Ozeanien.
Zweifellos stehen am Ende der Entwicklung die Waffen, wie Schlagstöcke oder Keulen, bei denen das Ende des Stabes mit einem Stein oder Metall beschwert wurde.

Relativ früh wandelte sich z.B. der am Ende gekrümmte Stab in Ägypten zu einem Würde- und Herrschaftszeichen. Der heilige Bischof Amdrosius meinte zur Urform des Bischofsstabes: „Oben gekrümmt, um die Verirrten zu sammeln, die Gerade in der Mitte, um die Schwachen zu regieren, die Spitze unten, um müde Träger anzustacheln“.
Die europäischen Fürsten-, Königs- und Kaiserhäuser haben auf das Herrschaftszeichen Zepter nicht verzichtet. In dieser Ausstellung befinden sich Nachbildungen des Bayerischen Königszepters und des österreichischen Kaiserzepters.
Die prunkvollste Ausbildung stellt eindeutig das britische Königszepter mit dem größten geschliffenen Diamanten der Welt dar, dem „Stern von Afrika“.
Nun gab und gibt es Zepter nicht nur als königliche oder kaiserliche Herrschaftssymbole. Für den militärischen Bereich - etwa vom 15./16. Jahrhundert - entwickelten sich neben den Streitkolben Kommandostäbe, die sich einerseits zu den oft belächelten, heute noch üblichen Offiziersstäbchen der britischen Armee wandelten, die auch den Dirigentstäbchen ähnelten, sich aber auf der anderen Seite zu den gewichtigen Marschallstäben entwickelt haben. Als Zeichen der Würde und Anerkennung hervorragender Leistungen wurden sie bedeutenden Persönlichkeiten der Militärgeschichte verliehen.